Dienstag, 23. Februar 2010

Nationalstolz: sehr gut / Rechnen: mangelhaft

Das wir in Deutschland schon mal dazu neigen, uns für den Mittelpunkt der Welt zu halten, ist ja nun wirklich nicht's Neues.
Manchmal ist das brandgefährlich, manchmal lustig und manchmal einfach nur peinlich...
Gerade stolpere ich über die Schlagzeile bei BILD-Online: 


OLYMPIA: WIRBEL UM MEDAILLENSPIEGEL IN VANCOUVERWer ist denn nun wirklich besser – die Amis oder wir?

Olympia: Wirbel um Medaillenspiegel: Sind wir oder die Amis die Besten?

Da jammert das offizielle Sprachorgan der Volksseele:

Nach dem Sensationssieg unserer Gold-Mädels Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad im Langlauf-Teamsprint sind wir nach Goldmedaillen wieder gleichgezogen mit dem US-Team!
Und nicht nur das: Dank der Silbermedaillen des Skisprung-Teams und desLanglauf-Duos Tim Tscharnke/Axel Teichmann haben wir die Amis im Medaillenspiegel sogar überholt.
FOTOGALERIEVergrößern
Curling (10): Corinna Scholz, Melanie Robillard, Andrea Schöpp (Skip), Monika Wagner und Stella Heiß (v.li. alle SC Riessersee) wurden im Dezember Europameister, lösten das Olympia-Ticket
SCHON 44 TICKETS VERGEBEN
DAS SIND DIE DEUTSCHEN OLYMPIA-STARTER
Foto: AP
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Sind wir jetzt also offiziell die Besten der Welt bei Olympia in Vancouver?
Zumindest nach der europäischen Zählweise lautet die Antwort: ja! Sieben Mal Gold, neun Mal Silber und fünf Mal Bronze, das macht 21 Medaillen. Das sind zwar insgesamt vier weniger als die USA, die haben bei gleicher Anzahl an Goldmedaillen aber weniger Silber gewonnen. Und bei uns gilt schon immer: Gold gilt mehr als Silber, Silber mehr als Bronze.
Nicht so aber in den USA! Da stehen die Amis weiterhin auf Platz eins, ebenso auf der offiziellen Homepage Vancouver2010.com. Grund: Hier werden einfach alle Medaillen gleichwertig zusammengezählt.
Eine offizielle Version des Internationalen Olympischen Komitees gibt es nicht. Christian Klaue, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zu BILD.de: „Es gibt nur inoffizielle Versionen des Medaillenspiegels. Das kann jeder machen, wie er will.“
Schön und gut. Aber mal ehrlich, liebe USA: Eure Rechnung ist doch Quatsch!
Beispiel: Wollt ihr wirklich in einem Medaillenspiegel zufällig hinter Kasachstan oder Argentinien landen, nur weil die 20 Mal Bronze geholt hätten, ihr aber „nur“ 19 Mal Gold? Seht ihr...
Nun, dass bei der BILD Fakten oft als belastend empfunden werden, ist eine Binsenweisheit. Trotzdem ist es erstaunlich, dass man bei BILD den Leser offenbar für so unterbelichtet hält...
Also: Hefte raus! Klassenarbeit!

Deutschland hat:
7 x Gold
9 x Silber
5 x Bronze
= 21 Medaillen

USA hat:
7 x Gold
8x Silber
10 x Bronze
= 25 Medaillen

25 ist mehr als 21. Damit führt die USA also in absoluten Zahlen...

Nun heißt es bei BILD allerdings:
"Wollt ihr wirklich in einem Medaillenspiegel zufällig hinter Kasachstan oder Argentinien landen, nur weil die 20 Mal Bronze geholt hätten, ihr aber „nur“ 19 Mal Gold? Seht ihr..."
Und belehrend: "Und bei uns gilt schon immer: Gold gilt mehr als Silber, Silber mehr als Bronze."

Da ist natürlich was dran. Also zählen wir nochmal die Medaillen, bewerten diese aber: Gold gilt mehr als Silber, Silber mehr als Bronze.

Das heißt, wir zählen eine Goldmedaille mit drei, eine Silbermedaille mit zwei und eine Bronzemedaille mit einem Punkt:

Deutschland hat:
7 x 3 (Gold) = 21
9 x 2 (Silber) = 18
5 x 1 (Bronze) = 5
= 44 Punkte

USA hat:
7 x 3 (Gold) = 21
8 x 2 (Silber) = 16
10 x 1 (Bronze) = 10
= 47 Punkte

47 ist mehr als 44. Damit führt die USA also auch nach Punkten.

Um im Medaillenspiegel also vor den USA zu stehen, dürfte eine Bronzemedaille gar nicht oder mit maximal 0,1 Punkt gezählt werden...
Somit muss man wohl davon ausgehen, dass der offizielle Medaillenspiegel des olympischen Komitees, doch eher den Tatsachen entspricht.
Und, mal im Ernst: Ist das nicht trotzdem ein großartiges Ergebnis? Platz zwei hinter den USA mit ihren fast vier mal so vielen Einwohnern?
Ich bin mächtig stolz auf unsere Sportler in Vancouver! 

Eigentlich ist das alles ja keinen eigenen Blogeintrag wert. Bei der BILD halte ich es eh mit den Ärzten:


Lass die Leute reden und lächle einfach mild,
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

Wenn, ja wenn ich nicht diesen Medaillenspiegel bei ZDF.de gesehen hätte:



Sechs, setzen!

Gutzuwissen

Auf Wiedersehen Herr Westerwelle

Ich hätte es nicht präziser formulieren können:

Sonntag, 14. Februar 2010

Chaka Khan, Stevie Wonder, Prince,India Arie,Yolanda Adams,2

Amazing! Chaka Khan und Prince performen "I feel for you" und Stevie Wonder begleitet die Beiden.
Bescheidene Bild und Tonqualität, aber musikalisch eine Bombe!

Montag, 7. Dezember 2009

Prince's Sample-Based Music and Cover Songs | WhoSampled

Inspiriert durch "Ehrensenf" bin ich auf diese Seite gestoßen, auf der aufgeführt wird, welcher Künstler von welchem anderem Künstler gecovert oder gesampelt hat.
Ich bin immer wieder sehr beeindruckt, was der kleine Prinz für zahlreiche Spuren in der Musikwelt hinterlässt...

Prince's Sample-Based Music and Cover Songs | WhoSampled

Natürlich kann man auf dieser Seite auch Hinweise auf jede Menge weitere Künstler finden. Werde ich bei Gelegenheit nochmal drin stöbern.

Gutzuwissen

Freitag, 20. November 2009

Bundesrepublik Deutschland GmbH & Co. Kg oder Unternehmen Staat?

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch legt für sein Bundesland erstmals eine kaufmännische Bilanz vor (Quelle: http://kurse.focus.de/news/Koch-legt-erstmals-kaufmnnische-Bilanz_id_news_126526752.html ).
Interessante Angelegenheit.
Und eigentlich ja auch ganz konsequent.
Ist der Staat letztlich nichts anderes, als ein großes Unternehmen?
Diesen Eindruck habe ich zu mindestens, wenn ich mir den größten Teil der finanzpolitischen Debatten anschaue.
Aber dann kommt aus den hintersten Winkeln meines Gehirns so ein merkwürdiges Grummeln und Murren.
Echt? Ist ein Staat wirklich nichts anderes als irgendein gewinnorientiertes Unternehmen?
Welche Rolle spielen wir denn eigentlich in dieser Firma?
Wir, die Menschen die in dem Unternehmen Staat leben. Sind wir die Ware, die das Unternehmen verkauft? Sind wir die Angestellten? Sind wir die Inhaber?
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass das Bild des Staats als Unternehmen nicht wirklich stimmig ist.
Oder, um es genauer zu sagen, für mich nicht stimmig ist. Denn für Herrn Koch und viele andere scheint es ja zu passen.
Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, als Mensch nur ein Posten in einer Gewinn/Verlustrechnung zu sein.
Der einzelne Mensch in unserer Gesellschaft ist doch mehr, als ein Kostenfaktor, der am Ende seines Lebens mehr Euros in die Staatskassen eingebracht hat, als er gekostet hat.
Leider sieht es in der realen Politik anders aus.
Da wird seit Jahrzehnten gejammert, die Sozialausgaben sind zu hoch, die Renten, die Krankenversicherung, das Arbeitslosengeld, die Sozialhilfe usw., usf...
Und, um diese "Belastungen" in der Bilanz in den Griff zu bekommen, wird gespart und gekürzt.
In einem Unternehmen macht das Sinn.
Aber in einem Staat?
Die Rente: Das ist meine Mutter, die mich groß gezogen hat.
Die Krankenversicherung: Das sind meine Eltern, die krank werden, weil sie älter werden.
Die Arbeitslosenversicherung: Das ist mein Vater, der mit 62 Jahren keinen Job mehr finde.
Die Sozialhilfe: Das ist meine Schwester, die ihre zwei Kinder alleine groß ziehen muss, weil der Vater der Beiden sich verdrückt hat.
Die negativen Posten in der Bilanz des Staates sind real existierende Menschen aus meiner, aber auch Deiner Familie.
Wer würde seine Mutter verhungern lassen, weil sie unwirtschaftlich ist?
Ich hoffe, dass irgendwann der Staat weniger als ein Unternehmen verstanden wird, sondern mehr als eine Art große Familie, in der man solidarisch und gemeinsam die Herausforderung der Gegenwart und der Zukunft angeht.

Gutzuwissen

Anmerkung: Die Darstellung der „Sozialfälle“ in meiner Familie ist natürlich etwas zugespitzt.
Meine Schwester z.B. ist nicht Alleinerziehend und ist, soweit ich weiß, glücklich mit dem Vater der Kinder verheiratet. Sie erhält wohl tatsächlich „nur“ Kindergeld. Ihr Mann, der auch zufällig mein Schwager ist, ist im Staatsdienst. Also irgendwie auch ein Kostenfaktor in der Staatsbilanz, und wahrscheinlich sogar „teurer“ als wenn meine Schwester Sozialhilfe empfangen würde.
Das würde aber alles die Sache nur unnötig verkomplizieren.


Montag, 2. November 2009

Mein Sohn

Ich habe (soweit ich weiß) keine eigenen Kinder.
Meistens finde ich das sehr bedauerlich, da ich der Meinung bin, das Größte, was man im Normalfall schaffen kann, ist es, einem jungen Menschen die Voraussetzungen für ein gutes Leben zu schaffen.

Manchmal aber, bin ich heilfroh, dass ich nicht Vater geworden bin.

So auch im Moment.

Ich lese gerade wieder voller Unverständnis, welcher Irrsinn in Afghanistan passiert.
Da ist dieser nett gekleidete Staatspräsident Hamid Karzai, der gerade mit Hilfe massiver Wahlfälschung die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat.
Nach hartnäckigem Druck der Opposition wurde dann das Wahlergebnis endlich so weit korrigiert, das es notwendig wurde, eine Stichwahl durchzuführen.
Nun ist der Oppositionsführer aber der Meinung, dass auch bei dieser Stichwahl wieder die Voraussetzungen für eine faire Wahl nicht gegeben sind und kündigt an, zu dieser Stichwahl nicht anzutreten.
Der freundliche Wahlfälscher Hamid Karzai wiederum, möchte aber trotzdem (oder erst recht?) die Stichwahl durchführen. Schließlich ist es wichtig, dass die Afghanen nach Recht und Gesetz die Wahl zwischen ihm und ähm, ja also, ihm haben.
Soweit noch alles verstanden?
Nun meldet sich die UNO und Vertreter aller möglichen Staaten bei dem netten Herrn Hamid Karzai und erklären ihm, dass das ja nun völliger Unsinn ist, da eine Stichwahl mit nur einem Kandidaten gar nicht funktioniert.
Das hat er dann auch eingesehen.
Und so wurde heute die Stichwahl abgesagt und der gut gekleidete Hamid Karzai ist nun also, zwar durch Wahlmanipulation, aber "rechtmäßig" für die nächsten Jahre Staatspräsident in Afghanistan.

Was hat das denn nun mit meinen Kindern zu tun, die ich nicht habe, wird sich der geneigte Leser vielleicht fragen.

Nun, wenn ich mir vorstelle, ich hätte einen Sohn, der heute so um die zwanzig Jahre alt wäre und der hätte sich, weil er vielleicht keine vernünftige Arbeit gefunden hat, bei der Bundeswehr verpflichtet und der müsste jetzt diesen ganzen Irrsinn der dort passiert mit seinem Leben verteidigen...

Dann bin ich froh, dass der Junge nicht geboren ist.

Dienstag, 8. September 2009

Eine Frage, Frau Merkel (Bombenanschlägen in Afghanistan).


"Merkel: Keine Vorverurteilung
Bild.de - Vor 1 Stunde?
Die Bundesregierung verwahrt sich nach dem umstrittenen Luftangriff auf zwei gekaperte Tanklastwagen in Afghanistan gegen Vorverurteilungen. "Ich verbitte mir das - von wem auch immer im Inland wie im Ausland", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ..."
So lese ich es gerade bei Google News.
Wie kann man eigentlich von einer Vorverurteilung sprechen, wenn die Welt nach dem Ereigniss versucht, ein Urteil zu fällen? Ausserdem würde es bei der Beurteilung der Situation rund um den von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff sicherlich helfen, wenn die verantwortlichen Politiker, der Herr Verteidigungsminister und Sie, Frau Bundeskanzlerin, die Informationen nicht häppchenweise an die Öffentlichkeit bringen würden.

Mit freundlichen Grüssen, Gutzuwissen