Samstag, 22. Januar 2011

Satire Gipfel (ARD): Nuhr enttäuschend...

Der "Scheibenwischer" war einst eine gute politische Kabarettsendung.
Sehr wortlastig, nicht besonders spritzig oder modern in der Präsentation, aber erste Wahl für Freunde der "politischen Unterhaltung".
Unter der Leitung von Dieter Hildebrandt traten dort so großartige Köpfe wie Gerhard Polt, Hagen Rether oder Konstantin Wecker auf und vertraten dort mehr oder wenig humoristisch ihre klaren Positionen. Eben politisches Kabarett.

Dieter Nuhr habe ich immer für einen recht guten Comedian gehalten, der in Rubrik "Comedy" immer einen sehr guten Job gemacht hat. Auf jeden Fall einen der geistreicheren Humorarbeiter, dem ich eigentlich immer ganz gerne zugesehen habe.

In dieser Woche lief zum ersten mal die Sendung "Satire Gipfel" mit Dieter Nuhr als Moderator.

Der "Satire Gipfel", den die ARD einst mit den Worten: "Der ehemalige "Scheibenwischer" mit neuem Outfit, neuem Namen und altem Biss" beschrieb.

Nun muss ich gestehen, dass ich die bisherigen Ausgaben des "Satire Gipfel" fast ausnahmslos verpasst habe, was daran liegt, dass ich Mathias Richling, der die Sendung bisher moderiert hat, einfach nicht ausstehen kann. Nicht wegen dem was er sagt, sondern wegen dem, wie er es sagt. Ich kann dem Mann einfach nicht zuhören.
Aber, das ja OK. Solange das, was er macht, genügend Leuten gefällt, soll er es halt machen...

Umso gespannter war ich nun zu sehen, wie die Sendung mit Dieter Nuhr als neuem Moderator so ist.

Tja, was soll ich sagen?

Ich werde sie wohl auch in Zukunft nicht sehen...

Was immer sich die ARD und Dieter Nuhr dabei gedacht haben mögen, mich spricht es jedenfalls nicht an.
Für "Comedy" ist das ganze einfach nicht witzig genug und "politisches Kabarett"? Sorry, aber hier hatte die Moderation das Niveau einer durchschnittlichen Karnevalssitzung. Nur ohne Tusch dazwischen...

"Ganz wichtig natürlich: Die Grundhaltung." So erläutert Nuhr zu Beginn der Sendung seine Motivation. Und die hat er mehr als deutlich gemacht:
"Es ist ja Aufschwung. Wir sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Deutschland ist ein extrem erfolgreiches Land"

Mit diesem ernst gemeintem Sätzen begann ein Monolog, in dem er deutlich macht, wie schwierig es ist, überhaupt noch Themen für das Kabarett zu finden, wo es uns doch so unglaublich gut geht...


Wenn der Wirtschaftsminister Brüderle einen solchen Satz nuschelt, kann man das vielleicht mit dem FDP Parteibuch und übermässigem Weingenuss erklären.

Aber der Moderator einer Sendung, die sich als Nachfolgesendung des "Scheibenwischer" sieht?

Dann folgten ein paar müde aber schon oft gehörte Gags zur DDR (die seit zwanzig Jahren nicht mehr existiert, aber Antikommunismus geht immer), über unfähige Staatsdiener (die zu wenig Streusalz bestellen, nicht weil die Kassen der Kommunen leer sind, sondern weil sie einfach zu blöde sind) und über die unfähigen Staatsbanken die "in der Staatskrise das meiste Geld versenkt haben" (wobei die "Staatskrise" in Wirklichkeit eine weltweite "Bankenkrise" war, die nur durch das Geld der Staaten (Steuergelder) nicht zum völligen Zusammenbruch der Weltwirtschaft geführt hat).
Mit diesem Stand-Up, hätte Dieter Nuhr auf der Weihnachtsfeier der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sicher sein Publikum begeistert.

Mich nicht.

Dann folgten zwei Kabarettisten deren Namen ich (mit Recht) schon wieder vergessen habe. Darunter eine Frau, die sich über "Ökos" und "Biofreaks" lustig machte.
Kann man natürlich machen. Aber wäre eine Nummer zum Thema Dioxin in Lebensmittel und den dafür Verantwortlichen nicht vielleicht nahe liegender gewesen, statt über die herzufallen, die in ihrem privaten Konsumverhalten versuchen, gegen die Auswüchse der industriellen Lebensmittelproduktion anzugehen?

Na gut.

Und dann kam: Matze Knop!

Nun, Unterhaltung ist natürlich immer auch Geschmackssache. Und sicher gibt es auch Menschen, die Matze Knop lustig finden. Dazu gehören z.B. die Verantwortlichen von "Bild.de" die Knop regelmäßig in "lustigen" Filmchen Prominente -überwiegend aus dem Sport- "parodieren" lässt.

Ich finde ihn genauso lustig wie Oliver Pocher. Nämlich gar nicht.

Wer holt einen solchen Comedian in die Nachfolgesendung vom "Scheibenwischer"?!?

Einziger Lichtblick in dieser Sendung war Andreas Rebers. 
Er gehörte auch schon beim "Scheibenwischer" zu den regelmäßigen Gästen und ist so eine Art Kabarettist, die mit der Sprache jonglieren können und denen man einfach gerne zuhört, weil sie einen immer mal wieder überraschen.

Nun, für mich war der "Satire Gipfel" eine einzige Enttäuschung und ich befürchte, Dieter Hildebrand würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er denn schon Tod wäre.

Stattdessen sitzt er aber möglicherweise nächste Woche Dienstag (25.1.2011/ 22:15) wieder im Publikum der Sendung "Neues aus der Anstalt" im ZDF.
Dort sitzt er nämlich öfter und scheint sich prächtig zu amüsieren. 
Auch der oben erwähnte Andreas Rebers ist in dieser Sendung wieder zu sehen.
Und genau diese Sendung ist der Beweis, das politisches Kabarett auch in unserer Zeit durchaus noch seinen Platz im deutschen Fernsehn hat und gut funktioniert. 
Außerdem liefert das ZDF auch den Beweis, das Comedy und Politik prima zusammen passen können: Mit der von mir geschätzten "heute-show".
Das ist eher Unterhaltung der leichten Art, trotzdem mit dem "Biss", den die ARD für den "Satire Gipfel" so vollmundig aber vergebens angekündigt hat.

Frank-Markus Barwasser ("Aufgemerkt, Pelzig unterhält sich"), die letzte "Nachwuchshoffnung" der ARD in diesem Bereich, ist im letztem Jahr zum ZDF gewechselt.
Wenn demnächst auch noch Harald Schmidt (übrigens noch auf dem selben Sendeplatz wie der "Satire Gipfel) wieder zurück zum "Unterschichten-Kuschel-Sender" SAT.1 wechselt, hat "das Erste" im Bereich Kabarett nichts ernst zu nehmendes mehr im Angebot. 

Aber genau solche Sendungen sind es, die die Notwendigkeit und Berechtigung von öffentlich-rechtlichen Medien ausmachen. 

Comedy  und neoliberale Unterhaltungssendungen macht das kommerzielle Privatfernsehen sicher besser.

Kritischer und unabhängiger Journalismus und eben auch Unterhaltung, die mal gegen den Strich gebürstet ist, kann aber nur ein durch Gebühren finanziertes und unabhängiges System anbieten. 

Dieter Nuhr ist das vermutlich ziemlich egal. Der moderiert inzwischen alles weg, was er angeboten bekommt. Nur einen Tag nach dem "Satire Gipfel" in der ARD moderierte er für RTL zur Primetime eine lustige Unterhaltungssendung ("Typisch Frau - Typisch Mann"). Um den müssen wir uns keine Sorgen machen.

Aber um das Niveau der ARD schon... 

Gutzuwissen

Samstag, 13. November 2010

Letzte Warnung: Dä Prinz kütt!

Nur damit mir niemand vorwerfen kann, ich hätte nix gesagt:
Am 18.11.2010 spielt Prince im GelreDome in Arnhem (Niederlande).

Ich durfte in diesem Jahr bereits drei mal den wahrscheinlich besten Live-Performer der Welt erleben und es war jedes mal einfach überwältigend. Zuletzt noch am vergangenem Montag in Belgien:
8. November 2010, Sportpaleis Antwerpen: Prince live - Die Halle kocht...
Als Prince auf der Bühne erschien, dauerte es keine sechzig Sekunden und niemand saß mehr auf seinem teuer bezahltem Sitzplatz. Rund fünfzehntausend Menschen tanzten, klatschten und sangen mit "The Artist" um die Wette.
Was einem da auf der Bühne geboten wird, lässt sich eigentlich nicht beschreiben.

Wenn man die Berichterstattung über Prince in den letzten Jahrzehnten im Kopf hat, dann ist das jemand, der mal in den 80'ern gute Musik gemacht hat ("Kiss", "Purple Rain" und das Album "Sign 'o' the time"), seitdem aber eigentlich nicht mehr, mit Ausnahme vielleicht des jeweils gerade erschienenen, das ja dann doch wieder ganz gut ist...
Der, der sich merkwürdige Namen gibt, "Sklave" auf die Wange schreibt, Mitglied bei den Zeugen Jehovas ist, eine kaputte Hüfte hat und seine Videos von YouTube entfernen lässt. Ein völlig Durchgeknallter.
Ach ja, ein Hinweis auf die Körpergröße darf natürlich nicht fehlen...
Ich habe mir 1986 mein erstes Prince Album gekauft, nachdem ich damals im Musik-TV des öfteren Videos von ihm sah, die ich "nicht schlecht" fand. Das Album war das damals Aktuelle: "Parade".
Was ich da auf einmal zu hören bekam, hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Sowas hatte ich noch nie gehört. Ein absolutes Durcheinander von unterschiedlichen Stielarten, die völlig respektlos miteinander vermischt wurden, merkwürdig abgemischte Instrumente und Melodien die irgendwie "unordentlich" klangen. Phänomenal!
Dieses und auch die weiteren Alben, die dann im Laufe der Zeit dazu kamen, festigten meinen Eindruck, dass dieser Mann tatsächlich ein "Genie" ist.  
Und dann sah ich ihn zum Ersten mal "live".
Ich hatte zuvor schon einige Künstler live gesehen (darunter ABBA und die Originalbesetzung von Pink Floyd mit The Wall), aber was ich bei Prince erlebt habe, war absolut überwältigend.
Das war kein Konzert, wo ein Song nach dem Anderen vorgetragen wurde.
Das war eine Explosion. Da wurden Songs miteinander vermischt, umarrangiert und so kraftvoll präsentiert, das man es einfach nicht fassen konnte. Und ununterbrochen die Aufforderung an das Publikum: Mitmachen: Clap your hands, stomp your feet!
Der einzige Gedanke, der während der Show in mein Hirn kommt ist: Unglaublich! Bitte hör nie mehr auf!
Und dann ist es irgendwann doch vorbei. Ich bin erschöpft, heiser und verschwitzt. Und versuche, wenigstens einen Teil des gerade gesehenen in meinen Hirnspeicher zu bekommen. Wer weiss, wann man das nochmal erleben darf...
Nachdem ich die letzten acht Jahre keine Chance hatte Prince live zu sehen, habe ich ihn in diesem Jahr, wie gesagt, bereits drei mal gesehen. Und vierundzwanzig Jahre nach meinem ersten Prince-Album, bin ich immer noch genauso überwältigt von seiner Performance. Keine Show war wie die Andere. Die Songs jedes mal neu arrangiert. Ich denke da z.B. an "Forever in my life": In Berlin sang er, nur von der Rhythmusmaschine begleitet, den Song ohne weiter Instrumente, mit dem Publikum als Chorbegleitung. Am Montag in Belgien wiederum, begleitete er sich selber auf dem Bass, wobei der Song sich dann zu einem "Bassbattle" entwickelte. Er holte seine Bassistin auf die Bühne und lieferte sich dann mit ihre eine "Bass-Solo-Schlacht" Es war unglaublich!
Das Konzert in Belgien, wurde 120 Stunden vorher erst bekannt gegeben. Nur in speziellen Foren tauchte am Mittwoch der Hinweis auf, das am nächsten Montag die Show stattfinden wird. Trotz dieser extrem kurzen Vorlaufzeit, war die Arena ausverkauft. Und das bei Preisen bis zu 130,- Euro.
In der vergangenen Woche waren zwei Prince-Konzerte im Madison Square Garden innerhalb von nur dreißig Minuten ausverkauft!

Umso wertvoller mein Hinweis an dieser Stelle:
Aktuell sind für Donnerstag wohl noch Karten zu bekommen

Weitere Termine für Europa sind zur Zeit nicht bekannt. Und da man bei Prince nie weiß, was er als nächstes tun wird, also auch nicht, ob er jemals wieder in die Gegend kommt, kann ich nur dringend raten:
Karte kaufen! Hinfahren! Überwältigen lassen!

Vergesst den ganzen Müll, der über Prince so veröffentlicht wird. Prince ist mit seinen 52 Jahren  besser als je zuvor. Er hat sich eine Unabhängigkeit geschaffen, wie sie wohl kein zweiter populärer Künstler sonst hat. Er macht was er will und er hat augenscheinlich großen Spaß daran sein Publikum zu unterhalten. 


Gutzuwissen


P.S.: Hier kann man mal sehen, was man aus zwei Akkorden machen kann...:




Samstag, 30. Oktober 2010

Zwei Meldungen, oder: "Halloween - yeah, yeah, yeah..."

  • Der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, sieht im Feiern von Halloween einen Angriff auf christliche Werte und Traditionen.
In einem Gastbeitrag für BILD am SONNTAG schreibt er: „Wollen wir unsere Kinder lieber mit Monstermasken zum Bonbonbetteln auf die Straße schicken, anstatt ihnen das religiöse Fundament unserer Gesellschaft näher zu bringen? Ich sage: Nein. Wir sind in der Pflicht, christliche Traditionen gegen den Zeitgeist zu verteidigen, mag er noch so locker daherkommen.“ Bild.de, 30.10.2010
  • Der Staatsratsvorsitzende der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), Walter Ulbricht, sieht im Hören der Beatles einen Angriff auf sozialistische Ziele und Traditionen.
In einer Rede auf dem 11. Plenum des ZK der SED (16. bis 18. Dezember 1965) erklärt er „Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nur kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen.“ 


Gutzuwissen


Donnerstag, 23. September 2010

Findichgut: OK Go - White Knuckles

Ich bin wirklich nicht besonders gut darüber informiert, was so im Bereich der aktuellen Popmusik gerade angesagt ist. Deshalb werden sich Kenner der Szene sicher darüber amüsieren, dass ich erst gestern von der Band "OK go" erfahren habe.
Gleich in zwei der Blogs die ich regelmäßig lese, wurde das Video vorgestellt, dass ich nun auch auf meiner Seite vorstelle.
Ich habe es in den letzten 24 Stunden mindestens schon zwanzig mal angeschaut und bin immer wieder begeistert.
Das gesamte Video, besteht nur aus einem einzigem "Take". Also ohne einen einzigen Schnitt. Und, da man es auf dem Startbild nicht sehen kann: Außer den Bandmitgliedern spielen noch ein paar Möbel und jede Menge Hunde mit. Und, wenn ich das richtig gesehen habe eine Ziege (ungefähr bei Minute 2:50).
Was für eine atemberaubende Choreographie bei dieser Besetzung herausgekommen ist, muss man einfach gesehen haben. Ich kann es jedenfalls nicht beschreiben.
Auf http://www.uiuiuiuiuiuiui.de/ habe ich gelesen, dass dieses Video in vier Tagen 124 mal gedreht werden musste, bis endlich alles so passte, wie man es hier sehen kann (man beachte z.B. das "Abklatschen" bei Minute 2:30).
Ob es nun daran liegt, dass ich das Video so oft gesehen habe, oder ob es auch ohne das Teil so wäre: Mir gefällt sogar der Song an sich. Klingt für mich ein wenig wie eine Mischung aus "Daft Punk" und "Prince".
Überlege jedenfalls ernsthaft, mir das Album zu kaufen...
Aber jetzt erst mal endlich das Video:


Ist das der Wahnsinn?
Dieses Video ist allerdings nicht das erste sensationelle Machwerk der Herren. Bereits über 17 Millionen mal wurde auf YouTube, zu Recht, der Clip zu "This Too Shall Pass" angesehen, das, ebenso atemberaubend, nur aus einem Take besteht. Hier allerdings spielen keine Hunde, sondern eine merkwürdige Konstruktion die Hauptrolle, neben der der "Domino-Day" bei RTL extrem alt aussieht...



Auf dem offiziellem YouTube Kanal http://www.youtube.com/user/OkGo gibt es noch jede Menge weitere interessantes Material zu sehen, das zeigt, das die Band schon ein wenig durchgeknallt ist. Aber das macht ja erst richtig Spass...
Leider kann man in Deutschland eines der dort hochgeladenen Videos nicht anschauen. Ob dies irgendwelche technischen Gründe hat, weiß ich leider nicht genau. Da aber auch dieser Clip wiederum toll anzuschauen ist, möchte ich auch diesen gerne hier vorstellen:


So. Das muss erst mal reichen.
Ich werde mir jetzt die nächsten Stunden noch ein paar mal die Videos anschauen und mich dann wieder mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen. Nahrungszufuhr und Körperpflege zum Beispiel...

Gutzuwissen



Montag, 6. September 2010

Mit meinen Augen: Night of the Prog, 4.9.2010, Loreley



Das war meine "Night of the Prog". Es war ein Tag mit herrlichem Wetter und jeder Menge handgemachte Musik. Klar, das war natürlich kein Vergleich zu meinen Prince-Konzerten vor ein paar Wochen, aber doch durchaus OK.
Speziell MARILLION hat mich schon sehr beeindruckt. Die Herren wissen mit ihren Instrumenten umzugehen. Wer die Band bei den kommenden DEEP PURPLE Konzerten im Vorprogramm sehen wird, bekommt sicher keine 80'er Nostalgieshow. Vermutlich nicht mal "Kayleigh" zu hören.
Mit STEVE HOGARTH als großartigem Sänger, klingt die Band für mich, als jemand der sich mit der Kapelle nie besonders beschäftigt hat, so rund und gut abgestimmt, dass ich mir gar keinen anderen Performer an der Spitze vorstellen kann.
Auf jeden Fall habe ich diesen Tag, die Musik und die tolle Stimmung auf der Loreley sehr genossen...

Gutzuwissen


Donnerstag, 26. August 2010

Millionen Fliegen können nicht irren, oder, der Unterschied zwischen Thilo Sarazzin und mir

Interessiert es eigentlich irgend jemanden, was das Ergebnis meines letzten Gang auf das WC gewesen ist? Ich sag nur stinkt, ist braun und irgendwie ekelig.
Wohl eher nicht...
Bei Herrn Thilo Sarazzin scheint das anders zu sein. Nicht das er sich für meine Exkremente interessiert. Nein, die Öffentlichkeit interessiert sich zur Zeit brennend für das, was Herr Sarazzin so absondert.
Herr Sarazzin ist in seinem Hauptberuf Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank. Dort ist er zuständig für Informationstechnologie, Risiko-Controlling und Revision“. Daneben beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit der Frage der genetischen Grundlage der Intelligenz.
Damit beschäftigt er sich im weitesten Sinne mit einer Wissenschaft, die im 15. Jahrhundert in Spanien ihren Ursprung hat. Dort versuchte man in der Pferdezucht einen Weg zu finden zwischen „guten“ und „schlechten“ Tieren zu unterscheiden indem man sich mit ihrer Herkunft („rraça“ = Rasse) beschäftigte. In den folgenden Jarhunderten wurde diese „Rassentheorie“ auch auf den Menschen angewendet. Man versuchte verschiedene menschliche Gruppen zur Klassifikation in Rassen einzuteilen.
Gerade auch in Deutschland entwickelte sich die Lehre von den Rasse prächtig.
Unter anderen führte Immanuel Kant den Begriff „Rasse“ (in der französischen Schreibweise „Race“) mit der entsprechenden wissenschaftlichen Untermauerung in Deutschland ein. Er definierte vier Rassen, die sich in ihrer Bildungsfähigkeit unterschieden. In der Spitze der Vernunftbegabten standen die weißen Europäer: „In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der ‚race‘ der Weißen. Die gelben Inder haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind tiefer, und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.“
Ende des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung der Rassentheorie weitgehend abgeschlossen und man begann, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Erste Projekte zur Züchtung von „rassisch hochwertigen“ Menschen wurden durch gezielte Partnerwahl in Deutschland und England schon in den 1890er Jahren begonnen. In den USA und Skandinavien traten Fortpflanzungsverbote und Zwangssterilisationen sogenannter „Minderwertiger“ in Kraft.
Den Höhepunkt erreichte die Rassentheorie in Deutschland in der Zeit des Faschismus. Hier wurde sie zum zentralen Bestandteil der Politik und gipfelten in Millionen Toten in den Konzentrationslagern und den Schlachtfeldern des zweiten Weltkriegs.
Spätestens mit dem Ende des Krieges, begannen sich endlich die Skeptiker dieser „Wissenschaft“ durchzusetzen. Ein von der UNESCO eingesetztes Komitee von Anthropologen und Soziologen veröffentlichten 1950 eine Erklärung zur Rassenproblematik in der festgestellt wird, das die Einteilung der Menschen in „Rassen“ anhand ihrer Herkunft oder Religion keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhält. Wenn überhaupt, könne man bei „Menschenrassen“ nur aufgrund physischer und physiologischer Unterschiede sprechen.
Auf keinen Fall gebe es irgendwelche Belege für rassistisch Bedingte Eigenschaften wie Intelligenz oder dem Temperament.
Inzwischen gilt die „Rassentheorie“ als völlig überholt.
Nicht zuletzt durch die Entschlüsselung des menschlichen Gene weiß man heute, das selbst äußerliche Unterschiede wie Haut- und Haarfarbe, Haarstruktur und Nasenform lediglich Anpassungen an unterschiedliche Klima- und Ernährungsbedingungen sind, die nur von einem kleinen Untergruppe der Gene bestimmt werden.
Soweit die Wissenschaft.

Nun dauert es aber oft eine ganze Weile, bis sich Erkenntnissen der Wissenschaft wirklich durchsetzen.
Die Erkenntnis z.B., das die Erde eine Kugel ist, hat Jahrhunderte gebraucht, bis sie nicht mehr bezweifelt wurde.

So ist es auch kein Wunder, dass die Rassenlehre, die über Jahrhunderte als richtig und gültig gelehrt wurde, auch heute noch mehr oder weniger unterschwellig in den Köpfen der Menschen herumschwirrt.

Passt diese Lehre doch wunderbar in unsere Urinstinkte, die uns zur Distanz zu allem Fremden und Unbekannten mahnt. Freund oder Feind? Gut oder Böse? Die Entscheidung muss blitzschnell gehen. Also gehe ich im Zweifel lieber auf die andere Straßenseite, wenn mir eine Gruppe dunkelhäutiger Jugendlicher entgegenkommt. Man weiß ja nie...

Und wenn man erst mal mit ein paar Promille an dem Stammtisch seiner Kneipe sitzt, oder -die moderne Form des Stammtisch- die Kommentarspalten diverser Onlineseiten besucht, merkt man schnell, das „der gesunde Menschenverstand“ von der Wissenschaft nicht einfach so außer Kraft gesetzt werden kann.

Und dann gibt es noch die, die diese rassistische braune Soße als Ideologie offensiv in die Öffentlichkeit bringen.
Entweder dumpf, laut und aggressiv, weil sie einfach zu dumm sind um zu erkennen, was sie da für einen Blödsinn verzapfen, aber öfter eher unterschwellig, freundlich im feinen Outfit, weil sie sich einen Vorteil von dieser Ideologie versprechen.

Wie leicht ist es, dem Volk jemand zum Fraß vor zu werfen, der noch kleiner und schwächer ist, als man selber und dem man für alles Elend das man hat, verantwortlich machen kann.

Was würde passieren, wenn die Menschen sich mit den tatsächlichen Ursachen der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Situation unserer Zeit beschäftigen würde?
Nein, da nehmen wir uns lieber die Muselmänner und Muselfrauen vor, erklären, dass ihre mindere Intelligenz unser schönes Land in den Abgrund reißt und feiern die „wenigen Mutigen“ die sich trauen, das in aller Öffentlichkeit zu verkünden.

Die auflagenstärkste „Tageszeitung“ und das auflagenstärkste politische Wochenmagazin, „Bild“ und „Spiegel“ waren sich beide nicht zu schade „Vorabdrucke“ der Ergüsse des Herrn Sarazzin zu veröffentlichen, die in bemerkenswert plumpen Worten eine These vertreten, die längst auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

Und die Massen stürzen sich auf dieses Machwerk, wie die Fliegen auf den Kothaufen.

Das Buch ist, bereits vor der Veröffentlichung, auf Platz eins der Bestsellerlisten. In allen Medien wird dieses Werk rauf und runter diskutiert. Meistens mit einem unterschwelligem „der Mann hat doch Recht!“. Im besten Fall mit einer vorsichtigen Kritik an der „scharfen Wortwahl“. Aber praktisch nie mit einer einfachen Widerlegung seiner leicht zu durchschauenden rassistischen Ideologie.

Thilo Sarazzin, ist ein Mann aus „gutem Hause“. Er hatte die Möglichkeit, sein Abitur auf dem feinem Gymnasium Petrinum, dem ältesten Gymnasium in Recklinghausen zu machen und brachte es 1973 sogar zum Doktortitel. Dann machte er mit Hilfe der SPD Karriere im öffentlichen Dienst. Eine gepflegte Mischung aus Positionen in der Wirtschaft und Politik (u.a. Vorstandsmitglied Deutsche Bahn, Senator für Finanzen in Berlin und Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank).
Der Mann hat nie finanzielle Sorgen gehabt, sich nie für seinen Lebensunterhalt die Finger schmutzig machen oder gar mit den Sorgen beschäftigen, die Millionen Menschen haben, wenn im Bundestag mal wieder Kürzungen im Sozialwesen beschlossen werden.
Aber er schüttet kübelweise Schmutz über genau diese Menschen aus. Seine Empfehlungen an Hartz 4 Empfänger, statt der Heizung doch lieber noch einen warmen Pullover anzuziehen und ähnliche
Vorschläge, sind in „guter“ Erinnerung.

Mit seinem Buch wird er wieder mehr Geld verdienen, als der normale Arbeitnehmer in seinem ganzen Leben verdient. Und die großen Medien unterstützen ihn mit Kräften dabei.

Das ist der große Unterschied zwischen meinen Exkrementen und denen von Herrn Sarazzin.

Aber, halt...

Was wenn er vielleicht doch recht hat?

Zerstören die Muslime mit ihrer mangelnden Intelligenz vielleicht doch die Intelligenz unserer Nation?

Etwas könnt dafür sprechen:

Sarazenen ist ein Begriff, der ursprünglich einen im Nordwesten der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff in lateinischen Quellen und im christlichen Europa als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab ca. 700 n.Chr. in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet, meist in angstgeprägtem Sinn
Besonders in Frankreich und der Schweiz ist noch heute der Familienname Sar(r)asinbzw. Sar(r)azin verbreitet, in der deutschsprachigen Schweiz auch Saratz, in Italien und der italienischsprachigen Schweiz Sar(r)aceno, Sar(r)acino, im Englischen die aus dem Französischen bzw. Anglonormannischen noch weiter entwickelte Form Sarson. Vorläufer solcher Namen ist im Mittelalter ein in den lateinischen Quellen seit dem 11. Jh. vielfach dokumentierter Name oder Beiname Saracenus, der in vielen Fällen wegen einer „sarazenischen“ Herkunft des Trägers, in anderen Fällen aber auch nur wegen eines zeitweisen Aufenthaltes bei den „Sarazenen“ oder, wie lat. Maurus, nordfrz. Moreau, engl.Moore, zur Hervorhebung einer besonders dunklen Haut- oder Haarfarbe entstand. Sofern der Name erst im Spätmittelalter in Gebrauch kam, ist auch mit der Möglichkeit zu rechnen, dass er im Hinblick auf die mögliche Bedeutung „Zigeuner“ gewählt wurde. (Zitat „Wikipedia“ bei denen ich mich auch an anderer Stelle zur Recherche bedient habe)

Im Klartext: Die Vorfahren Thilo Sarazzin waren mit hoher Wahrscheinlichkeit Muslime!

Dann wäre Thilo Sarazzin, wenn ich seiner Kernaussage glauben soll, also kein gefährlicher Brandstifter und Hetzer, sondern einfach nur ein minderintelligenter Nachfahre irgend einer muslimischen Sippe.

Unter dem Aspekt bekommt die ganze Geschichte ja glatt eine humoristische Note...

Gutzuwissen


Dienstag, 6. Juli 2010

Mir fehlen die Worte, aber der ROLLING STONE hat welche...

Ich kann leider immer noch nicht in Worte fassen, was ich gestern Abend in Berlin bei Prince erlebt habe. Aber der ROLLING STONE beschreibt hier das Konzert vom Vorabend. Und da finde ich 'ne Menge wieder...
http://www.rollingstone.de/news/article.php?article_file=1278333639.txt&showtopic=The%20Pop%20Life

Gutzuwissen